Auf ein Wort

Verehrte Kundschaft,

es ist mir ein großes Anliegen, an dieser Stelle ein durchaus heikles Thema anzusprechen, das jeder, der mit Luftbildfotografie per Drohne normalerweise nichts zu tun hat, nicht auf der Rechnung haben dürfte: Drohnenfotografie über Wohngebieten und der damit häufig verbundene, jedoch absolut ungewollte Eingriff in die Privatsphäre Unbeteiligter.

Nicht selten kommt es vor, dass ich Aufträge bekomme, bei denen auch Flüge über fremde Wohngrundstücke notwendig sind. Da ich den Datenschutz genauso wie die Privatsphäre achte, ist möglichst diskretes Operieren vor Ort eine Selbstverständlichkeit. Nichts liegt mir ferner, als in Ihrem Auftrag in der Ausübung meiner Tätigkeit für Unruhe zu sorgen, indem ich Dritte durch das Manövrieren meines Kopters in welcher Art auch immer belästige. Aus diesem Grund breche ich Flüge umgehend ab, wenn Anwohner sich gestört fühlen. Da ich als gewerblicher Anbieter zwar über die Aufhebung von Verboten verfüge, dürfte ich die Zwischenrufe unter gewissen Auflagen zwar ignorieren, was im ungünstigsten Fall aber allseits zum Nachteil gereichen könnte.

Somit verpflichte ich mich dem Kodex, bestimmte Aufträge aus Rücksichtnahme und Respekt gegenüber Dritten (Nachbarn etc.) abzulehnen, sobald diese in ihrem Recht der Selbstbestimmung oder Privatsphäre eingeschränkt oder gar beschnitten würden.

In Grenzfällen, die vorab nicht so einfach zu bewerten sind, würde ich ausschließlich Foto- und Filmflüge in großen Höhen (50-100 m über Grund) durchführen, die einerseits wesentlich geräuscharmer sind und andererseits Personen am Boden unkenntlich machen. Hierdurch sind dann Perspektiven aus Höhen von unter 10 m nicht möglich. Dies lässt sich in einem unserer Vorgespräche und nach Prüfung der lokalen Gegebenheiten sicherlich besprechen. Zu diesem Zeitpunkt sprechen wir dann auch über den Plan B bzw. alternative Möglichkeiten.

Natürlich würden Sie einen Mitbewerber finden, der Ihr Anliegen trotz aller Widrigkeiten und eventuell entgegen sämtlicher Regeln für Sie umsetzt. Aber bitte bedenken Sie: werden Menschen durch den Einsatz von Drohnen in ihrer Privatsphäre gestört, fällt das nicht nur auf den Drohnenoperator, sondern irgendwann vielleicht auch auf den Auftraggeber zurück. In der Folge leidet das Image aller Beteiligten und die Drohnengesetze werden erneut verschärft. Beides sollte im Sinne aller Beteiligten vermieden werden. Von der Rücksichtnahme auf die Privatsphäre der Nachbarn ganz zu schweigen.

Für Ihr Verständnis und Ihren Respekt für meine Vorgehensweise bedanke ich mich vielmals im Voraus und freue mich mich auf eine gute Zusammenarbeit.

Ihr Sebastian Ulmer